Ein Mensch pflückt, denn man merkt es kaum, ein Blütenreis von einem Baum. Ein andrer Mensch, nach altem Brauch, denkt sich, was der tut, tu ich auch. Ein dritter, weils schon gleich ist, fasst jetzt ohne Scham den vollen Ast, und sieh, nun folgt ein Heer von Sündern, den armen Baum ganz leer zu plündern. Von den Verbrechern war der erste, wie wenig er auch tat, der schwerste. Er nämlich übersprang die Hürde der unantastbar reinen Würde.
Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen, wenn ich mich unverstanden fühle oder alt, wenn mich die Musen nicht liebkosen, dann konsultiere ich den Wald. Er ist mein Augenarzt und mein Psychiater, mein Orthopäde und mein Internist. Er hilft mir sicher über jeden Kater, ob er aus Kummer oder Kognak ist. Er hält nicht viel von Pülverchen und Pillen, doch umso mehr von Luft und Sonnenschein; und kaum umfängt mich seine Stille, rauscht er mir zu: „Nun atmen Sie mal feste ein.“ Ist seine Praxis auch oft überlaufen, seine Rezepte machen rasch gesund; und Kreislaufschwache, die heut noch heftig schnaufen, sind morgen schon, fast ohne klinischen Befund. Er hilft mir immer wieder auf die Beine, bringt meine Seele stets ins Gleichgewicht; verhindert Fettansatz und Gallensteine, Nur: - „Hausbesuche, macht er nicht“!
Ich werde ins Grab sinken, ohne zu wissen, was die Birkenblätter tun. Ich weiß es, aber ich kann es nicht sagen. Der Wind weht durch die jungen Birken; ihre Blätter zittern so schnell, hin und her, dass sie ... was? Flirren? Nein, auf ihnen flirrt das Licht; man kann vielleicht allenfalls sagen: die Blätter flimmern ... aber es ist nicht das. Es ist eine nervöse Bewegung, aber was ist es? Wie sagt man das? Was man nicht sagen kann, bleibt unerlöst – ›besprechen‹ hat eine tiefe Bedeutung. Steht bei Goethe ›Blattgeriesel‹? Ich mag nicht aufstehen, es ist so weit bis zu diesen Bänden, vier Meter und hundert Jahre. Was tun die Birkenblätter –?
(Chor): »Ihre Sorgen möchten wir ... [...]
Was tun die Birkenblätter –? Nur die Blätter der Birke tun dies; bei den andern Bäumen bewegen sie sich im Winde, zittern, rascheln, die Äste schwanken, mir fehlt kein Synonym, ich habe sie alle. Aber bei den Birken, da ist es etwas andres, das sind weibliche Bäume – merkwürdig, wie wir dann, wenn wir nicht mehr weiterkönnen, immer versuchen, der Sache mit einem Vergleich beizukommen; es hat ja eine ganze österreichische Dichterschule gegeben, die nur damit arbeitete, dass sie Eindrücke des Ohres in die Gesichtsphäre versetzte und Geruchsimpressionen ins Musikalische – es ist ein amüsantes Gesellschaftsspiel gewesen, und manche haben es Lyrik genannt. Was tun die Birkenblätter? Während ich dies schreibe, stehe ich alle vier Zeilen auf und sehe nach, was sie tun. Sie tun es. Ich werde dahingehen und es nicht gesagt haben.
11 Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist; 12 das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; es sollen jauchzen alle Bäume im Walde 13 vor dem HERRN; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich.
Das ist nur ein kleiner Abschnitt, aus dem wir von der Schöpfung hören, die den Schöpfer lobt. Viele Verse - schöne und auch erschreckende - finden wir beispielsweise unter folgendem Link: Bäume in der Bibel
Wir Menschen, wir, die wir die Bäume lieben, können versuchen, was immer unsere Kraft zulässt, um Bäume zu schützen und die Schöpfung zu bewahren, aber nur Einer kann am Ende wirklich retten. Daran sollten wir denken, wenn wir Niederlagen erleben, wenn wir Trauriges hören oder sehen. Wir können unsere kleine Kraft der Bewahrung der Schöpfung widmen (und sogar wie Luther die Absicht kundtun, heute noch ein Apfelbäumchen zu pflanzen, auch wenn morgen die Erde untergehen soll), aber den Schöpfer aller Dinge können wir nicht ersetzen. Den Bäumen sind Grenzen gesetzt wie auch den Menschen: ".. auf daß keine Bäume am Wasser wegen ihres Wuchses sich überheben und ihren Wipfel bis zwischen die Wolken strecken, und keine Wassertrinkenden (also wir Menschen) auf sich selbst sich stützen wegen ihrer Höhe; denn sie alle sind dem Tode hingegeben..."(steht in Hesekiel 31)
Von der Vergänglichkeit, aber auch von der Hoffnung spricht der Römerbrief, Kapitel 8, 20-22:
" 20 Alles auf Erden wurde der Vergänglichkeit unterworfen. Dies geschah gegen ihren Willen durch den, der sie unterworfen hat. Aber die ganze Schöpfung hofft auf den Tag, 21 an dem sie von Tod und Vergänglichkeit befreit wird zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt, wie unter den Schmerzen einer Geburt."
Auch wenn wir der Vergänglichkeit und dem Tod - beides eine Folge der Sünde - nichts entgegenzusetzen haben, so haben wir doch als Menschen, die diese Welt bevölkern, eine Verantwortung und Verpflichtung als Hüter der Schöpfung (das schließt uns selbst mit ein!). Solange wir in Liebe handeln, und solange wir das Geschaffenenicht über den Schöpfer setzen, wird Er mit uns sein.
Bei Fragen hierzu schreiben Sie mir eine Mail. (siehe Impressum)